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Die Fusion von Tanzpädagogik & Tanzmedizin

Die Ballett- und Tanzpädagogische Akademie richtet sich an TanzpädagogInnen oder TänzerInnen, die den Standard des tanzpädagogischen Berufs heben wollen und die Wichtigkeit von qualitativ hochwertiger, auf den Grundlagen der Tanzmedizin aufbauender Lehrtätigkeit sowohl im Profi- als auch Amateurtanzbereich erkannt haben.

Das Studium bringt Tanzpädagogen für verschiedene Stilrichtungen hervor, die jedoch alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: Die Erhaltung der physischen, psychischen und mentalen Gesundheit und Leistungsfähigkeit von (jungen) TänzerInnen im Profi- und Amateurtanzbereich!

Die Akademie und das Diplom sollen hiermit maßgeblich dazu beitragen, das Ansehen des Tanzpädagogenberufes in der Gegenwart zu korrigieren und die fehlende staatliche Prüfungspflicht für Tanzpädagogen einerseits zu kritisieren und gleichzeitig aber auch durch die Qualität des Studiums dahingehend ein Zeichen für die Forderungen der Tanzmedizin international zu setzen!

Die Forderungen der Tanzmedizin national und international beinhalten eine Anerkennung von Tanz als Hochleistungssport; finanzielle, strukturelle und personelle Ressourcen, Nachhaltigkeit sowie interprofessionelle Zusammenarbeit; Aus- und Fortbildung von Gesundheitsberufen, Versicherungen und Tanzschaffenden; ein Umdenken von Politik und Staat bezüglich der Anerkennung des tanzpädagogischen Berufes nicht zuletzt durch ein verpflichtendes Lehramtsstudium für Tanzpädagogen zum Schutz des auszubildenden Tänzers; Versicherungspflicht, ein Recht auf Krankenstand und Rehabilitation, Regeneration, gerechte Arbeitsverträge und Bezahlung für Tänzer;

Die Leiterin der Akademie, Judith-Elisa Kaufmann ist als Dozentin für Tanzmedizin und Tanzpädagogik sowie als Choreographin und Pädagogin weltweit tätig (A, D, CH, GB, den USA, Palästina und Israel). Ihr Buch "Tanzpädagogik & Tanzmedizin - Die Symbiose der Zukunft" Fachbuch für Tanzpädagogen, Trainer & Tänzer eschien 2016. (Interview mit Judith-Elisa Kaufmann zum Thema im dancer's magazine)

Die Aufnahmekriterien für das Studium sind demnach in erster Linie ein persönliches Interesse an Medizin und Tanzmedizin im Besonderen sowie die Motivation zur eigenen, permanenten Fort- und Weiterbildung entsprechend neuer Errungenschaften in (tanz-)medizinischer Forschung zugunsten der Leistungssteigerung und des Wohlergehens der vom Pädagogen betreuten SchülerInnen. Es sind die SchüerInnen, die den Fokus eines engagierten Lehrers bilden.

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Professioneller Tanz ist Hochleistungssport, in dem sich Tänzer einer weit höheren Anzahl an Arbeitsstunden bei geringerer medizinischer Versorgung und extrem hoher Verletzungsgefahr unterwerfen als viele andere Athleten. In der Tanzwelt wird der Ruf nach der Tanzmedizin immer lauter, jedoch wird dieser von den entscheidungstragenden Instanzen scheinbar nicht gehört. Ein gesellschaftliches und politisches Umdenken ist notwendig geworden. Dafür müssen Tanzmedizin und Tanzpädagogik als professionelle Ressorts in Wissenschafts- und Bildungsministerien politisch anerkannt und verankert werden. Um Tänzern ein gesund(erhaltend)es Arbeitsumfeld gewährleisten zu können, fordert die Tanzmedizin folgende Maßnahmen in Prävention, Diagnostik und Rehabilitation, um endlich auch Österreich auf einen international anerkannten Standard zu heben:

Ein pädagogisch-medizinisch fundiertes Studium für Tanzpädagogen und Trainer, die derzeit noch keinerlei Ausbildungspflicht haben, muss gesetzlich verpflichtend werden, um das Erkennen und Respektieren individueller physischer und psychischer Bedürfnisse der Tänzer und die Umsetzung trainingswissenschaftlicher Grundlagen zu gewährleisten. Verpflichtendes Warm-up/Cool-down, adäquate Böden und Räumlichkeiten, Periodisierung, korrekte Trainingsplanung, Ernährungs-/Trinkverhalten ohne Hungern, Umgang mit Limitierung von physischen Möglichkeiten etc, Screening-Programme zur Gesundheitssicherung, tanzmedizinisch fundierte Eignungsverfahren u. a. Grundlagen müssen in Tanzinstitutionen Standard sein. Die Anforderungen, die an Tänzer gestellt werden, steigen beständig, in Folge dürfen die Trainingskonzepte nicht unverändert bleiben!

Respekt von Seiten der Institutionen und Trainer für den Tänzer, der seinen Körper als athletisches Instrument sehr jung der künstlerischen Arbeit zur Verfügung stellt, ist genauso notwendig wie Respekt vor dem Beruf des Tanzpädagogen und Trainers durch politisches Umdenken. Die meist fehlende Ausbildung führt zu mangelndem Ansehen des Pädagogen, der somit auch kein hohes Selbstwertgefühl genießen kann. Die Kombination aus diesen Missständen prägt die Atmosphäre eines veralteten Ausbildungsklimas. Tanzmedizinisches Grundwissen auch für Tänzer und der Zugang zu entsprechend spezialisierten Gesundheitsberufen, sowie unterstützende Maßnahmen, wie dem gezielten Ausgleich körperlicher Defizite durch Zusatztraining, müssen Tänzern offen stehen.

(Tanz-)medizinische Betreuung für Tänzer und Trainer in Tanzinstitutionen, und eine Überwachung der Verletzungsraten von Tänzern, müssen zur politischen Verpflichtung werden. Vom Umgang mit Schmerz und Verletzung sowie der zukünftigen absoluten Vermeidung der Ursachen, die zu einer chronischen Verletzung geführt haben, ist die erfolgreiche Behandlung abhängig. Dürfen Tänzer individuelle Grenzen und Schmerz nicht respektieren, darf es nicht verwundern, dass die Verletzungsrate von Tänzern so erschreckend hoch und die Eigenverantwortlichkeit dagegen gering ist. Androhungen von Kündigungen der Arbeits- oder Ausbildungsstelle aufgrund von Krankheit sollten strafbar gemacht werden. Erste Hilfe durch Trainer ist nur durch ihre verpflichtende Ausbildung gewährleistet und gerade sie würde viele Fehler, die in der Erstversorgung oder dem Ignorieren der Notwendigkeit einer Versorgung überhaupt, gemacht werden, verhindern können.

Die Anerkennung der Tanzmedizin sowie dem Tanz als Leistungssport würde im Verletzungsfall rasche Diagnosemöglichkeiten durch sofort zur Verfügung stehende Termine für bildgebende Verfahren und der Zusammenarbeit mit Versicherungen gewährleisten – etwas, das in vielen Sportarten eine Selbstverständlichkeit ist, wird im Tanz jedoch von politischer Seite noch nicht einmal diskutiert. Es braucht finanzielle, strukturelle und personelle Ressourcen, Nachhaltigkeit sowie interprofessionelle Zusammenarbeit. Aus- und Fortbildung von Gesundheitsberufen, Versicherungen und Tanzschaffenden sind dafür notwendig. Sieht man ab vom Menschenrecht der Tänzer auf ein Arbeitsumfeld, das nicht krank macht, auf Regeneration, gerechte Arbeitsverträge, Bezahlung und Versicherung, müssen von öffentlicher und institutioneller Seite vor allem die Langzeitfolgen bei schlechter Gesundheit von Tänzern und die dadurch entstehenden finanziellen Verluste für Kommunen und Kultur einkalkuliert werden. Tanzmedizinische Versorgung bereits in der Prävention durch Ausbildung, Behandlung und Vernetzung rechnet sich vor allem langfristig: eine Reduktion der versteckten Kosten (Ersatzproben/-kostüme, Krankenstände, Rehabilitation) ermöglicht langfristig eine Finanzierbarkeit von gesundheitsfördernden Maßnahmen für Tänzer sowie eine Steigerung der künstlerischen Leistungsfähigkeit. .

Um dies zu erreichen, werden Tanzinstitutionen finanzielle und politische Unterstützung von jenen benötigen, die die Ergebnisse hoch-qualitativer Tanzaufführungen genießen: der Öffentlichkeit. Jeder einzelne Besucher könnte und würde zu einer besseren gesundheitlichen Versorgung von Tänzern beitragen, wenn die Betreffenden über die Thematik informiert wären und auch ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden könnte. [Auszug "Forderungen der Tanzmedizin" für den Dancer's Artikel 2015 aus Kaufmann, Tanzpädagogik & Tanzmedizin - Die Symbiose der Zukunft]